Sky Doll

von Alessandro Barbucci und Barbara Canepa

Textauszüge (kursiv) DENKmal-Redaktion, 3sat (2003):


"Noa verfügt über sämtliche Attribute, die sie zu einem perfekten Objekt der Begierde machen. Große, unschuldige Augen, sinnlich-feuchte, volle Lippen, große, aufrechte Brüste, ewig lange Beine und eine makellose Alabasterhaut. Dazu haben ihre Schöpfer ihr ein pinkfarbenes Lack-Outfit verpasst, das ihre primären Geschlechtsteile nur spärlich bedeckt. Ihre Schöpfer sind in der Fiktion höhere Wesen, die sie als perfekt gestylte, willenlose Sklavin planten. Rein äußerlich erfüllt Noa ihre Aufgaben. Doch ihre wirklichen, realen Schöpfer - eine Frau und eine Mann aus Genua - machten sie zur zentralen Figur in ihrem Kult-Comic "Sky Doll". In dem hat das manipulierbare Wesen plötzlich eigene Pläne, es bricht aus den vorgezeichneten Bahnen aus und ahnt dunkel, dass es zu Höherem berufen ist.

Noa gehört "Gott", das hat sie selbst so entschieden. Der erwirbt die Luxus-Plastik Skydoll teuer und setzt sie nun in seiner Space-Ship Waschanlage ein. Noa muss mit einer phallusartigen Spritze Raumgleiter schrubben und das mit ganzem Körpereinsatz. In ihrem sexy Outfit räkelt sie sich auf den Panoramascheiben der Spaceships und gewährt dabei Einblicke, die die Astronauten ins Schwitzen bringen. Kein Wunder, dass sich lange Schlangen bilden vor der Waschanlage.

Jenseits ihres Arbeitsortes gibt es jedoch kein wirkliches Leben für Noa. Sie ist unfrei und den Launen ihres moränengesichtigen Chefs unterworfen. Eine dicke Schnur verbindet sie mit "Gott", der sie alle 36 Stunden mit einem Schlüssel aufzieht. Über die Schnur, die in Noas Rücken verankert ist, bleibt sie fest mit ihrem Herrn verbunden. Auch wenn Noa die Autorität ihres grottenhässlichen Gebieters anzweifelt - eine Chance auf Veränderung ihrer frustrierenden Lebensbedingungen ist nicht in Sicht. Bis sie durch einen Zufall in das Schiff des äußerst netten Roy stürzt. Als sich die Luke unerwartet schließt, reißt die Verbindung zu Gott und Noa geht mit auf die Reise...

Die Bewohner von Papathea sind allesamt Untertanen der Päpstin Ludowica. Massen pilgern zum Palast der Herrscherin. Denn es ist der Tag der Erscheinungen. Drumherum ein Meer von Shops und Restaurants, Parkhäusern und Hotels. Big business!

Das Ereignis soll die Gläubigen gefügig machen und die Macht der Päpstin demonstrieren. Perfekt setzt sich Ludowika in Szene. Blut rinnt aus ihren Augen und ihren Händen, strömt über die berauschten Zuschauer. Im religiösen Wahn wollen sie sich opfern. Ein paar Auserwählte werden vom Strahl eines gigantischen Lasers ausgelöscht.

Doch sämtliche "Erscheinungen" sind haarklein geplant und programmiert. Sound- und Lichteffekte machen aus dem profanen Saal einen überirdischen Ort. Hinter den Kulissen zieht das "Genie der Wunder" die Fäden.

Zwei Schwestern. Zwei Herrscherinnen. Beide könnten gegensätzlicher nicht sein. Im Vorwort von "Sky Doll - Doll´s Factory" erklärt der Journalist und Kunsthistoriker Ferruccio Giromini die Beschaffenheit von Noas Welt:

In der Geschichte um Noa lassen sich vielerlei Einflüsse entdecken. Parallelen zur antiken Sagen ebenso wie Anleihen aus biblischen Geschichten oder Werken der modernen Popkultur. Die expressive Erotik der weiblichen Comic-Figuren erinnert an "Barbarella", die Szenerien an alte wie neuere Science-Fiction-Film-Klassiker.

Entsprungen ist die in Comic-Form publizierte "Saga von Noa" der Phantasie zweier italienischer Zeichenprofis - Barbucci (männlich) und Canepa (weiblich). Beide stammen aus Genua und leben heute in Mailand. Beide haben aus Spaß in Las Vegas geheiratet. Beide haben mal in den Disney Studios gearbeitet und die Serie "Witch" maßgeblich mitentwickelt, bevor sie mit "Sky Doll" ein eigenes Kult Wesen schufen. Das trat zunächst im Comic-Land Frankreich seinen Siegeszug an. Barbucci und Canepa zeichnen rund um die Uhr an ihrer höchst komplexen Story, die weit über ein plattes Comic-Szenario hinausgeht. In reduzierter Sprache lassen sie ihre Figuren sprechen und erzählen vor allem in ihren grandiosen Bildern.

Zudem wurde ein weiterers Album veröffentlicht, der den Machern des Erfolgscomics gewidmet ist und neben deren Kurzbiografien und dem Text von Ferruccio Giromini, Skizzen, Vorstudien und eine Fülle an weiterem Material über die "Sky Doll Factory" bietet."

 

Die Comic-Serie ist rundherum perfekt. Sie bietet eine geheimnisvolle, facettenreiche Hauptfigur; sexy und witzig. Eine hervorragende optische Präsentation und eine mitreißende Geschichte runden das Bild ab.
Der Artband Dolls Factory birgt wunderschöne Bilder, Geschichten, Studien, ... über Sky Doll und das Kreativ-Team. Sachen, die man wirklich lesen und wissen will!
 

Zu den Künstlern hinter Sky Doll:

Alessandro Barbucci wurde 1973 in Genua geboren und brachte bereits mit 18 Jahren seine ersten Disney-Comics heraus. In den darauf folgenden Jahren zeichnete er rund 1200 Seiten für Disney; neben seinen Projekten für die Academia Disney.

 

Barbara Canepa wurde 1969 in Genua geboren und studierte zunächst Architektur. bevor sie 1996 ebi disney anheuerte arbeitete sie als Werbezeichnerin. bei Disney entwickelte sie Bücher, Plattencover, Merchandising-Produkte. Als bildende Künstlerin ist Canepa ebenso erfolgreich, wie als Comic-Zeichnerin. Mit W.I.T.C.H. begann die künstlerische Ehe von Barbucci und Canape.

 

Weitere interessante Details über das Künstler-Paar bietet der Band Doll Factory sowie das Magazin COMIXENE 74/75 2004 (Seite 28).

 

Sky Doll
- Band 1 "Die Gelbe Stadt" (2000)
Text: Alessandro Barbucci und Barbara Canepa
Illustration: Alessandro Barbucci
Farbe: Barbara Canepa
Textbearbeitung: Francesco Artibani
Carlsen Verlag

 

- Band 2 "Aqua" (2002)

- Band 3 "Die weisse Stadt" (2006)

- Band 4 "Sudra" (in Vorbereitung)

 

- "Doll´s Factory - Barbucci & Canepa" (2002)
Vorwort: Ferruccio Giromini
Carlsen Verlag

 

- Sky Doll SpaceShip Collection (2007)
- Sky Doll Lacrima Christi Collection (2008)

 

Links:

- Carlson-Comic-Homepage

- Homepage: www.sky-doll.com

- englische Wikipedia Seite von Sky Doll

- Blog von Barbara Canape

 

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