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Jacobsen

 

Geboren wurde Jacques Lemonnier am 17. Juli 1958 in Frankreich. Mit 19 bewarb er sich an einer Kunstschule, wurde aber abgewiesen, als er sagte, er wolle Comic-Künstler werden. So erlernte er sein Handwerkszeug bei "learning by doing" und sah sich die "Kniffe" von seinen Vorbildern wie Moebius oder Gotlib ab. Später könnte er doch noch studieren - und zwar an der Kunstschule in Le Havre. Seine Comickarriere startete im Jahr 1983 mit der neunseitigen Arbeit "Jeannette" für das Album "Le Neuviéme Cauchemar" für den Verleger Ludovic Trihan. Dabei benutzte er das Pseudonym Jakez Bihan.
Ab 1985 tauchten Arbeiten von Lemonnier in den Magazinen Censuré und Fluide Glacial auf. Mit Autor Jacques Lerouge zeichnete er an "Harrison Pigeot".

Ab den Jahr 1987 bis etwa 2002 entstand unter dem Pseudonym Jacobsen eine stattliche Anzahl von erotischen Werken.

Einige frühe erotische Arbeiten signierte Lemonnier noch mit J.Rochetoit - oder Jack Whip (dieses Pseudonym wurde beim Vorabdruck von "Mistress Jayne" verwendet).

Mit dem Pseudonym Jacobsen verbindet sich angeblich eine lustige Entstehungsgeschichte.

Jacobsen: "In Frankreich gab es eine alte dumme Erzählung die von zwei Verrückten handelt. Der Eine malte auf einer Leiter stehend und der Andere rief "Halt dich am Pinsel fest, ich schnapp mir mal die Leiter". Auf französisch: Accroche-toi au pinceau,j'enleve l'echelle! So entwickelte ich daraus Jacques Rochetoit au pinceau, das aber so klang wie accroche-toi... Im Radio hörte ich dann glücklicherweise, das irgendeine amerikanische Geisel die festgehalten wurde Jacobsen hieß. So kam ich letztendlich zu meinem Namen".
In Filippinis Buch "Encyclopédie de la BD-Érotique" steht, das das Pseudonym Jacobsen für Jacques obscène steht.

Nachdem Jacobsen 1986 auf einem Comic-Festival Jean Carton von I.P.M. Editions kennenlernte, wechselte er ein Jahr später in das "Erwachsenenfach". Vorveröffentlichungen (vor den eigentlichen Alben-Veröffentlichungen) fanden in Cartons Magazinen wie Bédé Adult und Bédé X statt.

 

Jacobsen ist ein großer Verehrer der Arbeiten von Joseph Farrel. Daraus entstand auch seine Hommage-Kurzgeschichte "La Clinique du Docteur Farrel" (im Album "Miss Butterfly" zu finden).

Für die Alben "Mathilde et Gilda" (1989) und "Le loup et l'Agnelle" (1990) gestaltete Jacobsens Freund Jean-Marc Touttain die Covers. Für seine übrigen Coverarbeiten zeichnet Jacobsen selbst verantwortlich.

 

2002 entstand mit Texter Bernard Joubert der Comic "Nuit très sauvage" (der im Vorabdruck noch unter dem Titel "nuit d asphalte" lief). Hier wechselt Jacobsen wieder zu einem schattierungsreicheren Comicstil.

 

Jacobsen hat einen sehr schwungvollen, abwechslungsreichen Federstrich, mit mal mehr, mal weniger Schraffierungen für die Schatten und Grauabstufungen. Entweder orientiert er sich stilistisch an Moebius, wenn die Figuren klarer und mit weniger Strichen gezeichnet werden; oder er wechselt zu einem George Pichard ähnlichen Stil mit dunkleren Comicpanels die durch üppigere Schraffurtechnik erzeugt werden.
Oder er vermischt mehrere Stile miteinander; wie zum Beispiel in den Alben "Jardin des perversions". Dabei spielte sich Jacobsen auch mit überzogenen und grotesken 1960er Jahre Underground-Comic-Elementen.

In seine Comic verarbeitet Jacobsen meist "Szene" typische Elemente; mit etlichen Fetisch-, Sado/Maso- und Bondage-Einlagen.
In den Geschichten tummeln sich großbrüstige, wollüstige Frauen, Intimschmuck-Träger, Transsexuelle, Homosexuelle (siehe dazu zum Beispiel das neuere Comicheft Jacobsenneries. Dort wurden zwei Kurzgeschichten "Nuit hard" abgedruckt - und als Bonus eine Extraseite, die für die vorgesehene Veröffentlichung im Gay comix Magazin (1992) etwas zu gewagt erschien und nun zum ersten Mal zu sehen ist), Bisexuelle, Sadisten, usw.
Die Comic-Charaktere wurden meist satirisch, leicht karikierend überzeichnet.


Wer es lieber romantisch- oder humorvoll-erotisch will, der sollte Jacobsen eher meiden. Doch wer eher den dunklen "Underground" durchwandern will, der bekommt von Jacobsen einiges geboten.
Interessante Bände sind die "Celine"-Alben, sowie "Lou Night Taxi Driver" (Lou - taxi de nuit) und "Miss Butterfly" (ein Band mit Kurzgeschichten). Ein weiteres Kurzgeschichten-Album "Dialogues de Courtisanes de Pierre Louÿs" ist ebenfalls lesenswert.

Einige Alben von Jacobsen sind auch in deutsch (z. B. Miss Butterfly) erhältlich.

 

Ab 2003 wechselte Lemonnier in das Funny- und Kinder-Comic-Genre und arbeitet dort unter dem Pseudonym Jak an Comic für jüngere Leser, wie "Leo und Lu" oder "Robinson", sowie unter dem Namen Jakez Bihan an Funny-Comic-Serien.

 

franz. Erstveröffentlichung der längeren Geschichten in Magazinen (1):

- La grenouille (1987)

- Mathilde et Gilda 1 (1989)

- Le loup et l'agnelle (1990)

- Mistress Jane (1991)

- Dialogues de Courtisanes de Pierre Louÿs (1992)

- Céline 1 (1993)

- Miss Butterfly (1994)

- Le retour de Mathilde et Gilda (1996)

- Lou - taxi de nuit 1 (1997)

- Lou - taxi de nuit 2 (1998)

- Céline 2 (1999)

- Garden Party 1 (1999)

- Garden Party 2 - Le retour de Maxime (2000)

- Nuit d'asphalte (2002)

(Es gibt noch einige "kurze" Geschichten, die nicht in Alben erschienen sind).

 

franz. Veröffentlichungen als Hardcover (HC) oder Comicbook (CB), (vollständige Bibliografie), (1):

- La grenouille (HC, 1989, CAP) - (Neuauflage bei Dynamite, 2007)

- Mathilde et Gilda (HC, 1991, CAP)

- Le loup et l'agnelle (HC, 1992, CAP)

- Mistress Jayne (HC, 1997, IPM)

- Dialogues de Pierre Louÿs (HC, 1997, IPM)

- Céline - Esclave à plein temps (HC, 1997, IPM)

- Mathilde et Gilda 2 - Le retour (HC, 1999, IPM)

- Lou - taxi de nuit 1 und 2 (HC, 1999, IPM) (beide "Lou" - Geschichten) - (Neuauflage bei Dynamite, HC, 2011)

- Miss Butterfly (HC, 2001, IPM)

- Céline - Band 2 (HC, 2001, IPM)

- Le jardin des perversions "Maxime" 1 und 2 (beide "Garden-Party"-Geschichten) (HC, 2003, IPM)

- Nuit très sauvage (HC, 2004, IPM)

- Jacobsenneries (CB, 2006, Dynamite (48 Seiten))

 

Links:

- französischer Wikipediaeintrag

- Eintrag Lambiek

- Lemonnier alias Jak Blogseite

- französisches Interview (2007) bei BDtheque

 

Quellen:
(1) ein spezieller Dank für Informationen/Bibliografien geht an regdul

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